Warum Kreativität schulen? Warum Kreativitätsschulen? Gerlinde und Hans-Georg Mehlhorn
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Kreative, schöpferische Leistungen entstehen immer in einem einzelnen Kopf und erfordern die ganze Persönlichkeit. Dazu gehört vorrangig das angeborene und von Klein auf entwickelte Begabungspotential, die angeborene und entwickelte Intelligenz und das entwickelte Wertepotential. Jahrhunderte lang benötigten nur wenige Menschen zur Bewältigung ihrer persönlichen, familiären und beruflichen Anforderungen Kreativität, viel wichtiger waren die übernommenen tradierten Erfahrungen. Heute ist zunehmend unser Leben in vielen Bereichen immer wieder neu zu erfinden. Die Erfahrungen der Eltern, das in der Schulzeit, in der Lehre oder während des Studiums erworbene Wissen reichen ebenso oft nur wenige Jahre, wie die dort entwickelten speziellen Fähigkeiten. Unsere Urgroßeltern fanden zwischen Geburt und Tod die gleiche Umwelt in der elterlichen Familie wie in der Familie ihrer eigenen Kindern, der erworbene Beruf veränderte sich über 30, 40, 50 Jahre ebenfalls nicht. Das ist für uns heute unvorstellbar. Wo wir auch hinblicken, vollziehen sich stürmische Veränderungen und niemand kann sich vorstellen, wie allein eine einfache Küche in dreißig Jahren aussehen wird. Aber das betrifft nicht nur die Technik und materielle Dinge, das betrifft und berührt auch unser zwischenmenschliches Zusammenleben oder die Bildung und Erziehung unserer Kinder. Kreativität wird damit immer wichtiger, um das eigene Leben selbstbestimmt bewältigen zu können. Denn nicht der Computer wird uns eine Zweiklassengesellschaft bescheren, die Grenze in der Gesellschaft wird zwischen denen gezogen, die ihr Leben selbstbestimmt leben und gestalten können und jenen, die das fremdbestimmt leisten müssen. |
Kreativität ist zu einem vorrangigen Bildungsziel geworden, auch wenn Lehrerbildung, Lehrpläne und Schulen das bisher bestenfalls deklarieren und die Kreativitätsentwicklung im Schulunterricht noch immer den viel zu geringen Stunden der künstlerischen Fächer zugewiesen wird. Aber es geht um Kreativitätsentwicklung als durchgängiges Unterrichtsprinzip: in Mathematik, Physik, Grammatik, Chemie usw. nicht weniger als in Musik und Kunst.
Kreativität ist entwickelbar und förderbar! Sie macht den Kern jeder Begabung aus, denn erst die entwickelte Kreativität entscheidet darüber, ob ein begabter Mensch (und jeder Mensch ist begabt!) seine Begabung wirklich zur Gestaltung seines eigenen Lebens und des Lebens anderer nutzen kann oder ob er nur die Gedanken und Erfahrungen anderer nachvollziehen kann. Kreativität entscheidet damit über ein selbstbestimmtes oder fremdbestimmtes Leben, über ein erfolgreiches und oft auch über ein glückliches und erfülltes Leben.
Kreative Menschen sind aktiv, neugierig, interessiert, sind phantasiereich, leben mit einer Fülle innerer Bilder, suchen bei Hindernissen und Problemen nach Lösungen (und lassen sich von ihnen nicht ausbremsen!), suchen nach besseren Lösungen, nach Veränderung des Bestehenden, sind häufig unangepasst und unbequem, sie begnügen sich nicht mit dem Vorgefundenen, reißen andere mit ihren Ideen, Einfällen, Vorschlägen mit, sind überwiegend von innen heraus (“intrinsisch”) motiviert. Das sie oft umgebende scheinbare Chaos ist für sie selbst intensiv strukturiert. Sie entwickeln ihre Konzentrationsfähigkeit, können lange an einer sie interessierenden Aufgabe dranbleiben, sind außergewöhnlich beharrlich, fleißig, diszipliniert, vor allem sich selbst und den zu lösenden Aufgaben gegenüber.
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Sie erliegen weniger dem so verbreiteten geistigen Zappen von flimmernden Häppchen zu Häppchen oder von Event zu Event, das zu oberflächlichem Bescheidwissen und tatsächlichem Nichtwissen und Nichtkönnen führt und geradezu zu einem Symbol unserer Erlebnisgesellschaft geworden ist, in der das Streben nach Genuß das Streben nach Leistung ersetzt hat, weil eben Leistung einen langen Atem benötigt (die Enttäuschung der deutschen Mannschaft zur FußballEM wiederholte sich zur Olympiade 2000 und gipfelte in dem Satz des deutschen IOCVize Bach: “Bei uns ist das DDRErbe langsam aufgebraucht“ und in der Prophezeiung anderer, daß bei künftigen Olympiaden wohl nur noch im doppelten Sinne hungrige Athleten aus Entwicklungsländern die Treppchen besteigen werden). Je höher und verbreiterter aber die Genußorientierung bereits im Schulalter ist, um so schneller wächst auch in unserer Gesellschaft die Wahrscheinlichkeit, sie nie befriedigen zu können, und um so größer wird die Gefahr, politisch angeheizter und ausgenutzter gewaltsamer Neidattacken gegen die Leistungsträger der Gesellschaft
Nobelpreisträger, Erfinder, Entdecker, Schöpfer unverwechselbarer Kunstwerke sind Wissenschaftler, Ingenieure, Künstler wie so viele andere Doch wo liegen die Unterschiede zu ihren Kollegen des Fachgebiets, die namenlos bleiben? Sind es die Kenntnisse, das Wissen, die Fähigkeiten, die Ausdauer, die Leidenschaft, die Beharrlichkeit? Und wie entstanden diese Unterschiede? Liegen Sie in der Biografie? Sind sie in die Wiege gelegt? Stecken sie in den Genen? Finden wir sie im Elternhaus, in den Schulen, an den Universitäten? Fragen, die uns lange herausforderten und dann das verblüffende Ergebnis: Die deutlichsten Unterschiede lagen in der frühesten und frühen Kindheit, in den ersten zehn bis zwölf Lebensjahren. Die größten Unterschiede lagen in den Tätigkeitsanregungen und Tätigkeitsangeboten, in den Bemühungen anderer um die Entwicklung ihrer Neugierde auf die Umwelt, lagen oft in Kleinigkeiten beim Kümmern um die Entwicklung von Interessen, beim Anregen der Haltung, dass die Heranwachsenden auf ihre vielen Fragen zuerst selbst die Antworten suchen, erst sich Lösungen vorstellen, Vermutungen äußern, an Antworten herantasten, bevor sie ihnen fertig vorgegeben werden. Diese Differenzen lagen aber auch in der Erziehung zur Beharrlichkeit durch frühen Fremdsprachenerwerb oder frühen Instrumentalunterricht, durch den Besuch von
unterschiedlichen Kursen, die individuelle Anstrengungen erforderten, wir finden sie beim Anlegen von unterschiedlichsten Sammlungen, bei der Suche nach deren Vervollständigung und Ergänzung, entdecken sie im wachsenden Bedürfnis nach immer tieferen Eindringen in das Gesammelte, sie entstehen in der Entwicklung der Konzentrationsfähigkeit durch konsequente Konzentration auf das sie Interessierende – weil ihr Interesse geweckt wurde.
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Kluge Eltern, Erzieher, Lehrer führen dabei die frühe Entwicklung der Sinne vom Hören zum Lauschen, vom Sehen zum Schauen und Betrachten, vom Spüren zum Fühlen und Erfühlen, vom Sprechen zum Schreien und Flüstern, vom Riechen zum Schnuppern und Erschnuppern und all das mit allen Sinnen in Hunderten Nuancen. Gerade um diese Differenzierungen hin zu den Nuancen geht es.
So weit die wichtigsten Ergebnisse aus Hunderten mündlich erfaßten und schriftlich nachgeschlagenen Biografien der kreativsten Zeitgenossen des nun schon vergangenen Jahrhunderts.
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Was folgt daraus?
Die noch recht jungen englischen "Excellence Center", die sich dem gesunden Aufwachsen vom Säuglingsalter an widmen und sich dazu den Eltern ebenso wie den Kindern zuwenden, vermitteln den Eltern einen nachdenklich machenden Leitspruch: Säuglinge haben keine Zeit zu verschenken. Und der Mitbegründer von “Sony” und spätere Präsident des Japanischen Patentamtes, Dr. Masaru Ibuka, schrieb vor über 20 Jahren ein Buch mit dem Titel “Der Kindergarten kommt zu spät”, um genau darauf aufmerksam zu machen: Säuglinge haben keine Zeit. Unsere sensible Lernzeit liegt in den ersten 9 10, maximal 12 Lebensjahren.
| Schon vor der Geburt beginnt die Verschaltung unserer Hirnzellen, es entsteht ein komplexes Netzwerk mit bis zu 100 Billionen Informationsschaltstellen, den Synapsen. Fortwährend perfektioniert sich die Kommunikation der Hirnzellen. In sensiblen Phasen leitet jede dann Impulse zu 15 000 anderen, oft weit entfernt liegenden. So entsteht durch Sinnesreize unsere Sprache, entstehen unsere Emotionen, entsteht unser Denken, entsteht unser musischästhetisches Empfinden, entsteht die
Koordination unserer Bewegungen man erinnere sich an die ersten Aufstehversuche des Säuglings bis es dann immer besser gelingt, weil die Bewegungsabläufe im Gehirn eingeschliffen, die einzelnen Bewegungen zu Bewegungsmustern oder –folgen miteinander “verdrahtet” werden. Verlorene Zeit kann nicht immer aufgeholt werden, Katzen, denen nach der Geburt ein Auge zeitweilig verbunden wurde, blieben auf diesem für immer blind. |
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Bereits mit zwölf Monaten haben Kinder die Fähigkeit verloren, Laute zu unterscheiden, die in ihrer Sprache keine Rolle spielen (Patricia Kuhl, USA).
So, wie die Nutzung des Sehzentrums das Sehen voraussetzt, verlangt auch die Entwicklung all unserer anderen Sinne, unseres Denkens und unserer Emotionen aktive Tätigkeiten und Menschen, Erzieher, Partner, die dem Kind diese Anregungen geben, damit sie tatsächlich aktiv werden. Die im Überschuß angelegten Verbindungen zwischen den Neuronen verkümmern, wenn sie in einer biologisch festgelegten Zeitphase nicht genutzt werden. Brutal zeigen neuere Forschungen, daß Kinder, die im frühesten Alter täglich mehr als 10 Stunden vor dem Fernseher sitzen oder abgesetzt werden, irreversible Hirnschädigungen erleiden. Sie sehen, aber sie verarbeiten das Gesehene nicht, sie nehmen auf, aber sie begreifen es nicht.
Für all das sind die ersten sechs und weitere drei bis maximal 6 Lebensjahre die bedeutendsten Jahre und die bis heute am stärksten vernachlässigten.
Das wird nicht nur durch unser heutiges, noch recht junges Wissen über die sensiblen Phasen in der Entwicklung des Heranwachsenden erklärbar. Auch die Forschungen zu der unterschiedlichen Funktionalität der beiden Hirnhemisphären haben uns darauf aufmerksam gemacht, dass unser bisheriges Bildungssystem die linke Hirnhemisphäre zu
entwickeln hilft aber die rechte fast komplett vernachlässigt, wir also nicht ganzheitlich, sondern recht einseitig entwickelt sind. Wir können
hervorragend analysieren, aber aus dem Analysierten Neues zu synthetisieren fällt uns viel schwerer. Wir können mit wachsendem Alter
immer besser abstrakt denken, aber Abstraktes konkretisieren, in Bilder und Vorstellungen umsetzen, fällt uns ebenfalls deutlich schwerer - meist
landen wir dann bei irgendwelchen Stereotypen, denken an die Sonne wie Kinder sie malen, irgendwie als gelber Ball rechts oder links oben am
Bildrand hängend. Wir lernen Grammatik und Vokabeln einer fremden Sprache, aber nicht ihre Lebendigkeit, wie wir die Lebendigkeit unserer
Muttersprache doch so ganz anders erlernten, eben ganzheitlich, mit beiden Hirn-hälften und mit allen Sinnen über all jene Tätigkeiten, die zu bezeichnen, zu benennen, zu erklären und sprachlich zu kommunizieren waren.
Unser Konzept der Kreativitätsentwicklung schließt all das ein:
- die konsequente Nutzung der sensiblen Phasen insbesondere im Kleinkind-, Vorschul- und Grundschulalter
- die bewußte Entwicklung der Funktionen der linken und rechten Hirnhemisphäre
- die Förderung der Differenzierung aller Sinne bzw. deren vorangehende Entwicklung auf dem jeweils vorhandenen Ausgangsniveau
- das Stimulieren der Kinder zum Tätigwerden, also zu angestrengter, lustbetonter, konzentrierter Tätigkeit (wobei jedes dieser Worte für sich genommen bedeutsam ist)
- die Entwicklung des bildhaften, konkretanschaulichen, vorstellungsgebundenen Denkens und der Phantasie
- die Nutzung der vielfältigen Transferwirkungen bei diesen Tätigkeiten innerhalb und zwischen den einzelnen Funktionen unserer Gehirnhemisphären
- damit die Wiederherstellung der insbesondere seit dem Mittelalter verlorengegangenen Einheit zwischen dem Abstrakten und dem Konkreten sowie zwischen dem Rationalen und Emotionalen in unserem Bewußtsein, die Aufhebung der Trennung zwischen Denken und Fühlen, zugleich im Bemühen um die Wiederher-stellung der Wertschätzung von beidem als Einheit - gegenüber der heutigen Unterordnung des Fühlens unter das Denken, des Konkreten unter das Abstrakte, des Musischästhetischen unter das Logische und damit generell des Emotionalen unter das Rationale.
Denn dieses Verhältnis ist nicht einseitig: so wie die Qualität des analytischen Denkens mit der verbesserten Qualität des synthe-tischen Denkens steigt, so wirkt sich die stärkere Betonung des Emotionalen zwangsläufig auf die Qualität des Rationalen aus, stimuliert die Förderung des konkret-anschaulichen Denkens zugleich wiederum das abstrakte Denken usw.
Hatten Nobelpreisträger, Erfinder, die Schöpfer überragender Kunstwerke in ihrer Kindheit vielleicht nur mehr Glück als andere, oder? Oder was würde passieren, wenn alle Kinder solche Anregungen seit frühester Kindheit erhalten, wie dies jene in ihren Lebensberichten verkündeten?
Diese Frage führte uns zu einem fünfjährigen Modellversuch und schließlich zu den Kreativitätsschulen.
Die heutige Antwort sei vorweggenommen: Wir wissen es noch nicht endgültig. Aber wir wissen eines: Die heutige durchschnittliche Umwelt und der heutige ganz normale Schulunterricht, wie wir ihn weltweit finden, entwickelt auch nicht im entferntesten die menschlichen Möglichkeiten, die uns allen in unseren Genen mitgegeben wurden. Die Hirnforscher erkannten: Ungenutztes geht verloren. Unsere Forschungen und unsere praktische Arbeit hat gezeigt, dass der Bereich des Ungenutzten bei jedem einzelnen unendlich groß zu sein scheint. Nutzen wir ihn, bis uns vielleicht doch die Gene die Grenzen aufzeigen, bei jedem einzelnen wahrscheinlich irgendwo anders.
Was sind Kreativitätsschulen und wie fördern sie die Kreativitätsentwicklung der Heranwachsenden?
Kreativitätsschulen sind spezielle Einrichtungen zur Entwicklung und Förderung der Kreativität durch die Entwicklung des individuellen Begabungspotentials, der Intelligenz und der zugehörigen Persönlichkeitsqualitäten (deshalb auch BIP als Symbol der Kreativitätsgrundschulen) in bisher nachfolgend beschriebenen Organisationsformen. Idealerweise sollten sie vom Kindergarten bis zum Schulab-schluß durchlaufen werden können. Dies gilt für alle Kinder vom geistig gesunden gering begabten Kind bis zum hochbe-gabten. Diese Einrichtungen entstanden und entstehen:
- als Little Genius -Kreativitätsschulen, die ein spezielles Förderprogramm für alle Kinder zwischen dem ca. 3. und 10./12. Lebensjahr anbieten. Dieses spezielle Förderprogramm ist ein Komplexprogramm, auf das unten inhaltlich näher eingegangen wird, und das in 2 Formen angeboten wird: als ganz- oder halbtägliches “Minimax”-Programm oder als Kursprogramm (in der Regel zweimal wöchentlich zwei Unterrichtsstunden)
- als (BIP-)Kreativitätskindergärten, die dieses Förderprogramm in die Tages- und Wochengestaltung in den Kindertageseinrichtungen integrieren
- als BIP - Kreativitätsgrundschulen, die dieses Programm - allerdings erweitert und in enger Verflechtung zum Unterricht in den Schulunterricht und die Hortgestaltung integrieren
- als BIP – Kreativitätsgymnasien (z.Z. geplant), die dieses Programm unter dem Aspekt der Begabungsförderung weiterführen und praxisorientiertere Kreativitätsschwerpunkte setzen
- als BIP-Kreativitätsregelschulen/-mittelschulen (z.Z. geplant), die dies analog für jene Schüler leisten, die kein Gymnasium besuchen.
Ausgehend von der Position, daß hohe kreative Leistungen auf der Einheit eines (1) hohen Niveaus des logischen Denkens, (2) entwickelter sprachlichen und fremdsprach-lichen Kommunikationsfähigkeiten, (3) eines hohen musisch-ästhetischen Niveaus, (4) von entwickelten motorischen Fähigkeiten (Fein- und Grobmotorik) und (5) eines hohen emotional-sozialen Niveaus basieren, werden diese Persönlichkeitsdimensionen durch das jeweilige (modifizierte) Komplexprogramm spezialisiert und integrativ gefördert.
Um diese Förderung zu erreichen werden alle Kinder (“alle machen alles!”) in diesem Komplexprogramm in folgende spezialisierte Tätigkeitsangebote einbezogen:
- Erlernen des Schachspiels und strategischer Spiele
- Nutzung des Computers zum Gestalten, Knobeln, bis hin zum Programmieren
- kreativer Sprachgebrauch, kreatives Schreiben
- Darstellendes Spiel, Rollenspiele, Theaterspiel, Körpersprache
- Bewegung und Tanz, kreativer Tanz (nicht Volkstanz u.ä.)
- Elementare Musikerziehung/ Rhythmik: Erfassen von Melodien und Rhythmus, Klangerfahrungen der Umwelt, Mit- und Nachspielen auf Orffschen oder selbstgebauten Instrumenten usw.
- Bildkünstlerisches Gestalten/ Malerei, Plastik, Grafik und verschiedenste Techniken
- frühe Sensibilisierung für fremde Sprachen (in den Kreativitätsschulen eine Sprache, in den BIP-Kreativitätsgrundschulen drei Fremdsprachen; z.Z. eine germanische (englisch), eine romanische (französisch), eine außereuropäische, nicht-indogermanische Sprache (z.Z. Arabisch).
- in allen BIP-Kreativitätsgrundschulen: Erlernen der Grundlagen eines Musikin-struments, das ihnen recht schnell Erfolgserlebnisse vermittelt für ein Jahr, anschließend freiwillige Fortsetzung (bis zu 70 % der Kinder nutzen dies weiterhin!).
Diese fachspezifische Orientierung ist jedoch nicht auf fachspezifische Ziele beschränkt. So fördert das Darstellende Spiel zwar vorrangig darstellerische Fähig-keiten aber eben auch sprachliche, fördert das Gedächtnis, die Konzentration, fördert musisch-ästhetische, fördert motorische (Stichwort: adäquate Bewegung) und sozial-emotionale im Spiel mit anderen wie auch in der besseren Erfassung der eigenen sozialen Position, das Einstellenkönnen auf andere, das Auf-andere-eingehen-können. Das gilt für jede einzelne Disziplin auf jeweils spezifische Weise, auch wenn es jeweils Schwerpunkte gibt: beim Schach beispielsweise das strate-gische vorausschauende Denken auf bild-hafter Vorstellungsebene: Jeder Zug setzt die Überlegung voraus, wie wird der Gegner möglicherweise reagieren, wenn ich folgen-den Zug mache und wie kann ich dann reagieren und wie wiederum dann der Gegner ...
Von hier aus ergibt sich auch die enge Verflechtung mit dem Unterricht und den Lehrplanfächern und in deren Ergebnis die überraschend positive Leistungsentwicklung dieser Kinder (80 % unausgewählte Leipziger Kinder eines Modellversuchs erhielten die Bildungsempfehlung für das Gymnasium, alle Kinder der ersten vierten Klasse der Leipziger BIP-Kreativitätsgrundschule erhiel-ten ebenfalls die Bildungsempfehlung, alle jene, die sich an Gymnasien bewarben, die Aufnahmeprüfungen fordern, bestanden die-se erfolgreich).
Die Kernziele dieses Programms bestehen darin:
- langfristig die Begabungspotenzen der Kinder umfassend zu entwickeln, also weg von der Spontaneität, Stereotypik und Zufälligkeit bei der Konfrontation des einzelnen Kindes mit Einzelangeboten (nach dem Motto: zu Hause steht ein Klavier, also erhält die Tochter Klavierunterricht, manch-mal auch der Sohn, der Freund hat einen Computer, also bekommt der eigene Sohn auch einen usw.). Ergebnis unseres breiten Herangehens ist es, daß die tatsächlichen Stärken und Schwächen erkannt, die Stärken weiter ausgebaut, die Schwächen reduziert werden können.
- die Kinder allseitig zu entwickeln, sie Tätigkeitserfahrungen auf allen Gebieten sammeln zu lassen und Hemmnisse vor einzelnen Gebieten abzubauen („das kann ich nicht lernen“ o.ä.).
- die Kreativität zu entwickeln, nicht nur –aber auch ! - das Begabungspotential weiter auszuprägen. So sind beispielsweise die jun-gen Instrumentalisten nach diesem Programm einfallsreicher beim Improvisieren als jene, die nicht an einem solchen Programm teilgenommen haben.
Die Organisation an den Kreativitäts-schulen und Kreativitätsgrundschulen ist grundsätzlich dieser Zielstellung unter-geordnet.
Dazu gehört vorrangig die Arbeit mit kleinen Gruppen: in den Little Genius - Kreativitätsschulen mit ca. 8 Kindern (maximal 12), im Minimax-Programm mit maximal 10 Kindern, in den altershomogenen Gruppen in den Kindergärten mit maximal 12 Kindern, in den Grundschulen mit Klassen von höchstens 20 Kindern. Wenn in den Schulen diese Klassenstärke erreicht ist, dann werden in zunehmend mehr kreativen Disziplinen die Klassen in zwei Gruppen geteilt. Dabei gilt in der Regel eine Differenzierung nach oben, das heißt, die auf den jeweiligen Gebieten besten werden in einer neuen Gruppe zusammengefaßt, um sich weiter optimal entwickeln zu können.
Jede Klasse wird von zwei Kreativitätspädagogen geführt, wodurch jede Klasse auch in mehreren Lehrplanfächern entsprechend des Entwicklungsniveaus der Kinder aufgeteilt werden kann (in der Regel mindestens 10 Stunden wöchentlich) und es keinen Unterrichtsausfall gibt. Alle Hausaufgaben in der Grundschule werden unter Betreuung dieser beiden Kreativitätspädagogen erledigt, der Ranzen bleibt in der Schule, die Eltern sollen die Zeit mit den Kindern vielseitig, aber nicht als Nachhilfelehrer nutzen.
Die gegenwärtige Lehrerausbildung genügt diesen Anforderungen, so mit Kindern arbeiten zu können ebenso wenig wie die gegenwärtige Ausbildung der Erzieher oder Sozialpädagogen. Deshalb wurde von uns eine spezielle Lehrerfortbildung entwickelt, die die Pädagogen auf allen Stufen fachlich befähigt, den Kindern die entsprechenden Angebote zu unterbreiten. Diese Fortbildung zum Kreativitätspädagogen umfaßt mindestens 1860 Stunden und wird gegenwärtig vorrangig in einer einjährigen Fortbildung auf Hochschulniveau/ Universitätsniveau vermittelt und entspricht umfangmäßig einem sechssemestrigen Studium.
Die weitere fachliche Umsetzung wird vom Leipziger Kreativitätszentrum kontrolliert und überwacht, denn die Befähigung aus der Fortbildung stellt noch keine Garantie dar, daß dies von diesen Pädagogen auch adäquat umgesetzt wird. Jeder einzelne ist zwar befähigt, kreativer als bisher pädagogisch tätig zu sein, das ist schon sehr viel, reicht aber für Kreativitätsschulen auf keiner Ebene aus, weil an solchen Schulen die Pädagogen keine “Einzelkämpfer” sind, sondern ebenso kind wie teamorientiert arbeiten müssen. Eingebettet in den weiteren Prozeß ist deshalb auch eine permanente problemorientierte Weiterbildung und regelmäßige Betreuung/Controlling durch erfahrene Kreativitätspädagogen und durch die entsprechenden Dozenten der Fortbildung.
Nur ein ausgewähltes Ergebnis:
An den BIP-Kreativitätsschulen werden die Kinder ausschließlich in der Reihenfolge der Anmeldungen aufgenommen. Es finden keine Aufnahmeprüfungen oder Auswahlverfahren statt. Allein der Elternwunsch und die Zahl der Plätze entscheidet über die Aufnahme der Kinder. Bildungswillige Elternhäuser finden sich in allen sozialen Schichten – Kinder aus allen sozialen Schichten finden sich an den Schulen wieder.
Nach dem ersten Jahr Schulbesuch und der entsprechenden Förderung (z.T. bereits durch das Minimax-Programm und an der Little-Genius-Kreativitätsschule Leipzig) ergab ein Intelligenztest (Progressive Matrizen von Raven), daß 50 % der Kinder aus zwei ersten Klassen der Leipziger BIP-Kreativitätsgrundschule eine so hohe Intelligenztestleistung aufweisen, wie nur 1 % der Gleichaltrigen (IQ über 136, in der Literatur bezeichnet als “höchstbegabt“), daß 80 % aller Schüler IQ-Leistungen erbringen, wie “normalerweise” nur 10 % der Gleichaltrigen (IQ über 118) und daß kein Schüler mehr dort einzuordnen ist, wo “normalerweise” die Ergebnisse von zwei Dritteln aller Schüler liegen (IQ unter 106). In der Wissenschaft ist die Meinung verbreitet, dass welthistorisch bedeutsame Werke einen Basis-IQ von ca. 120 erfordern. Über den verfügen ca. 80 % dieser Kinder nach nur einem Jahr an dieser Schule.
Zum Vergleich: In ganz Deutschland hat sich entgegen dieser Entwicklung in den letzten Jahren der durchschnittliche IQ-Wert von 100 auf 95 abgesenkt, darunter im Osten von 102 vor der Wende (V. Weiß, Deutschland zehrt Begabungsreserve allmählich auf, Leipziger Volkszeitung v. 11.8.2000). Das heißt: Während ein IQ von 102 ausdrückt, daß alle insgesamt leicht über den Durchschnitt liegen, besagt ein IQ von 95, daß heute die Gesamtheit aller Gleichaltrigen nur einen IQ erreicht, wie vor wenigen Jahren die ca. 40 % mit den geringsten Testleistungen. Dies stellt einen dramati-schen Einbruch vom Durchschnitt bei ca. 53 % auf den Durchschnitt von 40 % aller Gleichaltrigen dar.
Ausgewählte Stimmen zum Konzept und seiner Umsetzung
“Moderne Erkenntnisse der Neurobiologie, der Psychologie und der Soziologie stellen jene Erkenntnisse zur Verfügung, die erforderlich sind, um Kreativitätsförderung auch in Unterrichtskonzepte sowie Lehreraus- und Fortbildungskonzepte umzusetzen. Dies alles gibt es für die staatliche Regelschule bisher nicht. Wer auf den üblichen Schulen und nicht “bei Mehlhorns” war, der muß schon Glück gehabt haben, wenn seine Kreativität den richtigen Schub erhalten
hat.” (Bei Mehlhorns in der Ideen-Schule. Süddeutsche Zeitung v. 8.12.1998)
“Eine moderne Schule mit modernen Ansätzen ..., die auch im Sächsischen Kultusministerium Gefallen gefunden hat” (Mauscheleien im Rathaus? Kreuzer 10/2000)
“Mit der Gründung von Kreativitätsschulen in den neuen Bundesländern wird ein Zeichen gesetzt für eine bedeutsame Entwicklung im Bildungswesen. Wenn Begabung, Intelligenz und Persönlichkeit vom Anfang an im Mittelpunkt der Ausbildung und Erziehung junger Menschen stehen sollen, ist zu hoffen, daß eine neue Generation heranwächst, die durch Wissen und charakterliche Bildung in der Lage sein wird, die Herausforderungen der Zukunft zu meistern.” (Prof. Dr. E. Häußer, ehem. Präsident des Deutschen Patentamtes München)
“Das BIP-Kreativitätszentrum leistet mit seinen Kreativitätsschulen ... einen wichtigen weiterführenden Beitrag zur Entwicklung der deutschen Schullandschaft. Das zugrundeliegende reformpädagogische Konzept ist eines der wenigen, das durch langjährige wissenschaftliche und insbesondere auch stark praxisorientierte Forschungen in seiner Wirksamkeit erprobt worden ist... BIP-Kreativitätsschulen verdienen auch deshalb Beachtung, weil sie eine Leistungsschule repräsentieren, in der zugleich durch die Besonderheit des Konzepts eine Balance aller schöpferischen Kräfte im Kind stimuliert wird und damit alle Fähigkeitsbereiche harmonisch entwickelt werden.” (Prof. Dr. R. Ortleb, Bundesminister a.D.)
“Ich war der Meinung, das bildungspolitische Angebot in dieser Republik zu kennen und einschätzen zu können. ... Mit der Verwirklichung Ihrer Kreativitätsschulen haben Sie dem mir bekannten Spektrum nicht nur etwas Neues hinzugefügt, Sie haben bei den alternativen Angeboten noch einmal einen Qualitätssprung geschafft. Ich (bin) der festen Überzeugung, daß etwas vergleichbar Innovatives in der deutschen Schullandschaft derzeit nicht anzutreffen ist.” (Dr. H. Enderlein, Minister für Wissenschaft..., Brandenburg, a.D.)
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