BIP-Kreativitätsschulen und Instrumentalunterricht Kosten und Konzept (eine Genese mit Ausblick)
Aus theoretisch fundierten Gründen der Persönlichkeitsentwicklung (siehe das Themenheft zur Kreativitätspädagogik der führenden deutschen
Fachzeitschrift "Bildung und Erziehung" 1/2003) gibt es an den BIP-Kreativitätsgrundschulen für alle Kinder eine starke Orientierung auf
die Entwicklung auch aller ihrer künstlerischen Fähigkeiten. So haben alle Kinder neben dem Lehrplan-Unterricht und dem Fremdsprachenangebot
(mindestens 2, in der Regel 3 Fremdsprachen ab Klasse 1) verpflichtend Unterricht in allen Künsten mit je einer Wochenstunde, also Bewegung
und Tanz, Darstellendes Spiel, Musik und Rhythmik, kreativer Umgang mit Sprache und kreatives Schreiben sowie eine Zusatzstunde Kunst nach
eigener Konzeption. Dafür erhalten die an diesen Schulen beschäftigten Lehrer und Erzieher eine entsprechende Zusatzausbildung von in der
Regel 1864 Stunden (außerdem in Schach und kreativer Nutzung des PC). Das ist ein enormes Programm. Es ist aber ein Programm, das ein
Mittel zur Entwicklung der Kreativität der Heranwachsenden ist, Kreativitätsschulen sind jedoch keine Kunstschulen, Musikschulen,
Tanzschulen usw. - diese gibt es auch und Kinder mit ganz speziellen Talenten und einer speziellen beruflichen Entwicklung sind
dort wohl besser aufgehoben.
Doch mit Gründung der Schulen und ihrer ganztägigen Öffnungszeit ging es darum, diese Zeit sinnvoll zu verbringen, insbesondere
auch an dem langen Nachmittag, den alle Schulen haben und an denen Eltern mit ihren Kindern die unterschiedlichsten Dinge tun
können vom Besuch der Musikschule bis zu Leistungssport oder Religionsunterricht und an denen doch der größte Teil der Kinder
in der Schule war oder ist. Da die Lehrer und Erzieher an den ersten Schulen in Leipzig und Chemnitz selbst Musikinstrumente
beherrschten, kam von ihnen der Vorschlag, dass es doch schön wäre, wenn man alle Kinder, deren Eltern das bisher selbst nicht
taten, erste Erfahrungen auf einem Instrument sammeln lassen könnte. Gesagt, getan, das wurde von den meisten Kindern und den
meisten Eltern akzeptiert - und niemand von den Lehrern und Erziehern fragte nach einem gesonderten Honorar. Die Klassen/ Schulen
waren klein, für die damals 11 - 20 Kinder des Schuljahres war das problemlos möglich. Wer dann im 2. Schuljahr dabei blieb, dessen
Eltern mussten einen geringen Obolus bezahlen und die ersten Honorarkräfte wurden gesucht oder die Beschäftigten erhielten dafür eine
kleine zusätzliche Vergütung. Andererseits wurde aber immer wieder betont, dass Kinder dieser Schulen bei diesem regulären breiten
Angebot sich nicht vorzeitig spezialisieren sollen, was die künftige Meisterschaft auf einem Instrument zwangsläufig erfordert.
Ziel war bestenfalls eine Entwicklung für den "Hausgebrauch", nur sollten andererseits besondere Talente eben nicht übersehen werden.
Je größer die Schulen und die Anzahl der Angestellten wurde, um so schwieriger war es, dieses Angebot aufrecht zu erhalten, erstmals
in Heidenau mussten alle Stunden durch Honorarkräfte abgedeckt werden. In anderen Schulen entwickelte sich das ähnlich, manche Eltern
fanden die Idee gut und suchten selbst nach Lehrern, andere Kinder waren im Einzelfall aber auf dem Instrument nicht unterrichtbar.
Immer wieder kam die Frage der Finanzierung, denn alle Eltern bezahlen ja im Grunde die gleiche Summe und wollen das gleiche Angebot,
das sehr eingeschränkt war, auch seitens der angebotenen Instrumente - und die Schulen hatten diese Kosten zu keinem Zeitpunkt mit kalkuliert.
Folglich stand eine grundsätzliche Entscheidung an:
Deshalb wurde vor 2 Jahren begonnen, die Kosten für den Instrumentalunterricht so an die Eltern weiterzugeben, wie sie entstanden. Wer keinen
in Anspruch nahm und dafür eben lieber zum Fußball ging, musste auch nichts bezahlen, wer in dieser Zeit für bessere Noten büffelte natürlich
auch nicht. Wo ein Erzieher dies im Rahmen seiner Festeinstellung noch bewältigte, was immer seltener wurde, blieb es auch quasi kostenlos.
Ab vergangenem Jahr ist dieses Angebot in den meisten Schulen kein Angebot der Schule mehr. Die Schulen gestatten in der Regel anderen
(meist gemeinnützigen) Einrichtungen die relativ kostengünstige Nutzung von schulischen Räumen für ein solches
Angebot an Zeiten, an denen kein verpflichtendes schulisches Angebot besteht. So entstanden Kontakte zu kommunalen Musikschulen oder es
wurden externe Honorarkräfte gewonnen. Zunehmend laufen alle organisatorischen Fragen nur in Abstimmung mit der Schule aber nicht mehr über
die Schule. Abstimmungen sind auch dann wünschenswert, wenn das Übern für das Instrument einen solchen Umfang annimmt, dass andere Tätigkeiten
darunter leiden. Kreativitätsgrundschüler - wie auch Gymnasiasten - sollen sich am Instrument ruhig ausprobieren und bei entsprechendem Talent
ist ein Wechsel an andere Schulen durchaus angebracht, insbesondere wenn eine entsprechende berufliche Entwicklung absehbar ist.
Aber im Unterschied zu Kindern an Musikschulen oder an Musikgymnasien - die es ja alle in recht breitem Umfang gibt - geht es nicht um ständige
Leistungskontrollen in Form von Auftritten oder um das dafür erforderliche regelmäßige häusliche Üben auf Kosten bzw. zu Lasten der großen
Breite für eine harmonische Persönlichkeitsentwicklung. Diese große Breite geht immer vor und ist ein Markenzeichen dieses Kreativitätsschulkonzepts.
Und es geht nicht um eine Institutionalisierung des Instrumentalunterrichts an den Schulen oder gar um die Integration in das Konzept dieser Schulen.
Und es geht auch zunehmend um die Kosten, die auch in diesem Bereich steigen und zusätzlich anfallen (laut FOCUS einer der seitens der Kosten in ganz
Deutschland am schnellsten wachsenden Bereiche). Es ist und wird zunehmend mehr ein Freizeitangebot für interessierte Kreativitätsschüler, eben immer
unter dem Aspekt, keine mögliche Begabung unentdeckt zu lassen und den Kindern auch an dieser Tätigkeit Freude zu vermitteln. Es geht damit mehr um die
späteren Rezipienten und keinesfalls um die Produzenten. Dies sei all denen gesagt, die meinen, an den BIP-Kreativitätsschulen auch diese Entwicklung
für Ihre Kinder zu finden. Die Schulen haben in den letzen Jahren viel geleistet, dies aber von ihnen zu erwarten wäre eine deutliche Überforderung!
Ganz im Unterschied zum Beispiel zur angezielten beruflichen Ausbildung im Gymnasium ab Klasse 7/8 gemeinsam mit der Handwerkskammer Leipzig, die wiederum
an die gesamten entwickelten kreativen Potenzen der Fächer anschließen soll (siehe BIP-Kreativitätsgymnasium Leipzig).
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