15 häufig gestellte Fragen zu den BIP Kreativitätsschulen (K-kindergärten, K-vorschulen, Little-Genius Kreativitätsschulen, K-grundschulen, K-Gymnasien) Gerlinde und Hans-Georg Mehlhorn
1. Was leisten BIP Kreativitätsschulen mehr als andere Schulen?
Die BIP Kreativitätsschulen richten sich als Grundschulen und
Gymnasien nach den Lehrplänen der jeweiligen Länder und bemühen sich
darum, dass jedes Kind die Lehrplananforderungen auf höchstem Niveau
erfüllt. Gemessen an diesem Kriterium haben im Jahr 2000 alle Kinder
des vierten Schuljahres in Leipzig die Bildungsempfehlung für das
Gymnasium erfüllt. Mindestens ca. 80 % aller Kinder werden dieses Ziel
auch in den kommenden Jahren zuverlässig erreichen. Dies zeigen die
Ergebnisse aus den Jahren 2001 und 2002 - erstmals hat auch Chemnitz
eine 4. Klasse! Die Qualität des Grundschulabschlusses ist so hoch,
dass ihnen wohl auch künftig, wie den Leipziger Schülern des 4.
Schuljahres 2000 und 2001, alle weiterführenden Gymnasien jedes
Profils offen stehen. Dies führt auch dazu, dass ihnen, wie kürzlich
Eltern schrieben, die normalen Anforderungen der Gymnasien leicht
fallen, die insbesondere nach dem Übergang zum Gymnasium vielen
anderen Kindern Schwierigkeiten bereiten. Eine wichtige Ursache liegt
in der Leistungsgruppenarbeit in mindestens fünf Mathematik- und
Deutschstunden pro Woche. Auf diese Stunden muss nur dann verzichtet
werden, wenn ein Kreativitätspädagoge fehlt, also dann, wenn an
anderen Schulen der Unterricht mangels Lehrer bereits ausfallen muss.
Das gesamte Bildungsprogramm der Schulen reicht weit über die
Lehrplananforderungen hinaus. Dazu gehören die Vermittlung der
Grundlagen in zwei bis drei Fremdsprachen (nach der Konzeption
mindestens in zwei!), in Informatik und Schach sowie kreative Angebote
in allen fünf Künsten. Zusätzlich erhalten alle jene Kinder, die das
wollen, mindestens ein Jahr Instrumentalunterricht zur Entwicklung der
grundlegenden musikalischen Befähigung, wenn sie bisher kein anderes
Instrument erlernen. Dies erfolgt sowohl in enger Verflechtung mit dem
Lehrplanunterricht als auch darüber hinausgehend in der Hortzeit. Im
Kindergarten und in der Vorschule steht diese kreative Befähigung im
Zentrum der Bildungsarbeit - zugleich in enger Verflechtung zu den
Bildungs- und Erziehungszielen der vorschulischen Entwicklung der
Kinder.
2. Sind das nicht nur Schulen für besonders begabte Kinder?
Ja, weil nämlich alle Kinder besonders begabt sind. Ja, aber eben mit
dieser anderen theoretischen Ausgangsposition: Nach unserer Auffassung
ist jedes Kind besonders begabt. Leider wissen wir dazu aber erst mehr,
wenn diese besondere Begabung entwickelt und erkannt wurde. Ich
sträube mich, an dieser Stelle zu sagen, dass nur jedes geistig
gesunde Kind besonders begabt ist. Wir wissen, dass dies falsch ist.
Wenn Kreativitätsschulen bisher diese Einschränkung auf geistig
gesunde Kinder machen, dann nur in dem Wissen, dass die finanziellen
und materiellen Umstände noch dazu zwingen.
Wir wissen aber auch, dass die Kreativitätspädagogik auch bei
unterschiedlich behinderten Kindern Sinne entwickelt und Kräfte frei
setzt, die gerade diese Kinder benötigen. Ja, also Schulen für
besonders begabte Kinder, so begabt, wie Ihres und Ihres, eben
besonders begabt, reich an Anlagen und reich an individuellen
Entwicklungsmöglichkeiten. Und es gibt eine grundlegende Anforderung,
die sich jeder Pädagoge an diesen Schulen immer wieder stellen muss:
Behandle jedes Kind so, als sei Dir bewusst, dass es gerade auf Deinem
Gebiet besonders begabt ist - auch wenn das bisher noch niemand
erkannt hat. Die Wissenschaft weiß seit langem um die positive Wirkung
einer solchen pädagogischen Haltung!
3. Ist nicht der Staat dafür verantwortlich, dass aus meinem Kind das Beste wird?
Eindeutig nein! Der Staat hat viele soziale Funktionen, er hat auch
die Funktion, sein eigenes Überleben zu sichern. Dazu gehören auch
eine anspruchsvolle Schulbildung, Berufsausbildung, Fach- und
Hochschulstudien. Aber er muss dabei immer an die Gesamtheit, jedoch
nicht an Ihr einzelnes Kind denken. Für ihn muss die Grundversorgung
an Wissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten, welche die Mehrheit künftig
benötigt, das Primat haben, nicht die entwickelte
Persönlichkeitsstruktur gerade Ihres Kindes. Vor knapp 100 Jahren
entwickelten französische und deutsche Forscher die ersten
Intelligenztests. Daran gab es massive - wir würden heute sagen -
gesellschaftliche Interessen. Aber nicht deswegen, um zu wissen, wie
intelligent die Kinder waren, oder gar, sie nach diesen Erkenntnissen
besser zu fördern. Das Interesse war rein ökonomischer Natur: Man
wollte diejenige, die bildungsfähig waren, von jenen unterscheiden,
die nicht bildungsfähig waren. Denn wer bildungsfähig war, konnte eine
Arbeitstätigkeit erwerben und ausführen und sich einmal selbst
ernähren. Wer nicht bildungsfähig war, der musste von den Kommunen
unterhalten werden. Das ist fast 100 Jahre her - ein Wimpernschlag in
der Geschichte der Menschheit.
Und noch zwei historische Beispiele aus Deutschland: der Faschismus
und die DDR haben beide versucht, diese Verantwortung zu übernehmen.
Das war - zumindest bezogen auf die DDR - keinesfalls zum Schaden
aller Eltern und aller Kinder - aber es war keinesfalls zum Nutzen
jedes einzelnen Kindes und damit nicht zum Nutzen der Gesamtheit und
so letztlich unverantwortlich vor der Geschichte. Wer heute meint, die
Vielfalt, sei es bei freien und private Schulen oder gar schon bei
Kindertagesstätten zugunsten einzelner Formen unterdrücken zu müssen,
muss sich genau nach solchen Wurzeln totalitärer Ideologie in seinem
Denken hinterfragen lassen. Eine solche Einstellung ist unter dem
Denkmantel der Bewahrung der Demokratie, der Kultur des Abendlandes,
des Christentums, der Chancengleichheit usw. leider vereinzelt selbst
bei Personen ungeheuer lebendig, von denen man es aufgrund ihrer
persönlichen Biografie überhaupt nicht erwartet hätte! Die
Gemeinschaft sollte sich davor hüten, solchen Leuten irgendeine Form
der Entscheidung über unsere Zukunft anzuvertrauen, denn schließlich
geht es um die Zukunft unserer Kinder. Die Einstellung zur Bildung und
Erziehung der Kinder - und zwar jedes einzelnen Kindes! - und damit
auch zu freien Schulen und freien Kindertagesstätten ist ein
entscheidender Gradmesser der Demokratiefähigkeit einer Gesellschaft
und damit auch jedes ihres (möglichen) Repräsentanten.
4. Weichen private/ freie Schulen nicht das Bildungsmonopol des Staates auf?
Ja, nur: woraus leitet ein Staat ab, ein Bildungsmonopol zu besitzen?
Das Bildungsmonopol, wenn man überhaupt davon sprechen kann, ist schon
als Wort ein Relikt totalitären Denkens, nach dem sich der Staat
anmaßt, hoheitsrechtlich darüber zu entscheiden, was für seine
Untertanen gut, bekömmlich, notwendig ist. Diese Zeit ist hoffentlich
unwiederbringlich vorbei. Heute kann kein Politiker oder keine Gruppe
von Politikern mehr festlegen, welches Maß an Bildung oder welchen
Bildungsumfang ein Mensch benötigt, um seine Zukunft zu bewältigen.
Die heutige Welt ist viel komplexer als das unsere Schulen und Lehrer
vorausgedacht hatten und dieser Prozess beschleunigt sich. Dass es
einerseits in Deutschland Arbeitslose gibt und andererseits für
hochqualifizierte Tätigkeiten hochqualifizierte Arbeitnehmer aus
Entwicklungsländern abgeworben werden müssen, zeigt wohl das ganze
Dilemma. Freie und private Schulen haben hier die Aufgabe, Vorreiter
für künftige Bildungsentwicklungen auch in den staatlichen Schulen zu
sein - wie übrigens in Deutschland seit mehr als 100 Jahren. Leider
erfüllen viele diese Funktion heute nicht mehr, leider haben auch
freie und private Schulen sich teilweise nicht weiterentwickelt, sind
auf dem Niveau ihrer einst progressiven Gründerväter stehen geblieben
- aber das ändert nichts an ihrer grundlegenden gesellschaftlichen
Funktion, der gesellschaftlichen Entwicklung und damit den künftigen
Anforderungen an ihre Schüler und zwar im Interesse dieser Schüler
selbst, viel umfassender, schneller und flexibler gerecht zu werden.
Wie ernst diese Entwicklung zu nehmen ist, erweist sich gerade daran,
dass sie nicht auf die Schulen beschränkt ist, dort noch am wenigsten
auffällig wird. Zum gravierenden Problem ist sie in den neuesten und
schnellsten Entwicklungen an den Hochschulen und Universitäten
geworden. Eine Universitätsausbildung in Informatik reicht für das
Fußvolk. Unter jenen aber, die die Entwicklung bestimmen, sind immer
mehr, die ihr Studium vorzeitig abgebrochen haben.
Ich weiß wovon ich spreche: Als unser jüngster Sohn sein
Informatikstudium an einer internationalen Universität (UNISA) aufgab,
drängten wir auch auf eine Fortsetzung, wie sich das gehören würde.
Erst als er, erst sechsundzwanzigjährig, von seiner Firma in
Cambridge, die ihn gezielt aus der Republik Südafrika abgeworben hatte,
u.a. die Aufgabe erhielt, jene Absolventen renommierter englischer
Universitäten gründlich auszusuchen, die diese Firma benötigen kann,
drängten wir nicht mehr und merkten außerdem, dass er sich in guter
Gesellschaft befand.
5. Kindergarten, Vorschule – beginnt das nicht alles viel zu früh?
Nein! Ein provokativ klingendes Motto der englischen Exceptional
Center heißt: Säuglinge haben keine Zeit zu verschenken. Schön, wenn
die Eltern das alles können. Aber das zu verlangen wäre lebensfremd.
Die Exceptional Center bemühen sich darum, die Eltern bzw. Mütter so
zu qualifizieren, dass diese möglichst viel leisten können. Aber in
der Regel ist es doch so, dass Eltern ihre Kinder erziehen, wie sie
selbst erzogen worden sind, nicht aber so, wie es dem heutigen
wissenschaftlichen Erkenntnisstand entspricht. Hierzu ist ein Umdenken
und ein ganz anderes Tun erforderlich. Natürlich verlangt das hohe
Anforderungen von allen beteiligten Personen. Aber mit Sauberhalten
und gesunder Ernährung ist Kindeserziehung heute nicht getan. Zu den
Lebensnotwendigkeiten in allerengster Bedeutung gehört die Entwicklung
aller Sinne der Kinder und damit auch ihrer geistigen und sozialen
Entwicklung. Und dies geschieht aufgrund fehlender früherer
Großfamilien noch immer am günstigsten in möglichst kleinen Gruppen
durch gut qualifizierte Bezugspersonen. Das können selbstverständlich
die Eltern sein. Bezüglich der Gruppengrößen werden auch an den
Kreativitätskindergärten, -vorschulen und in den Little-Genius
Kreativitätsschulen die Grenzen durch ökonomische Zwänge gezogen. Für
Eltern, die sich selbst intensiv um ihre Kinder dieses Alters kümmern
wollen, bietet das Leipziger Kreativitätszentrum berufsbegleitenden
Kurse der Fortbildung zum Kreativitätspädagogen an: natürlich auch für
Erzieher, Lehrer, Sozial-, Freizeit- oder Musikpädagogen. Aber eben
auch für Eltern, die Wissen und Fähigkeiten benötigen, um in der
wichtigsten Lebensphase ihres Kindes - von der Geburt beginnend - dazu
beizutragen, die Architektur ihres Gehirns zu entwickeln.
6. Wann soll ich mein Kind einschulen, verschenke ich nicht seine Kindheit, wenn es nicht zum spätestens möglichen Termin eingeschult wird?
Die heutige Gesellschaft hat in den letzten Jahrzehnten einen
Kindheitsbegriff entwickelt, der seine Wurzeln wohl in unserer Spaß-
und Freizeitgesellschaft hat. Kinder sollen möglichst lange vor
Pflichten bewahrt werden, ihren Spaß haben, viel spielen usw. Nur:
Entspricht das wirklich den Bedürfnissen der Kinder? Ist nicht Spiel
die Arbeit des Kindes? Öffnen sich nicht Welten zwischen dem auf, was
Erwachsene als Spiel bewerten und was Kinder als Spiel bewerten?
Lernen sie nicht im Spiel den Ernstcharakter ihrer Arbeit? Wie schnell
verlieren spielende Kinder das Interesse, wenn das Spiel keinen
Ernstcharakter mehr trägt? An die Leipziger Kreativitätsschule kommen
nicht selten Eltern, die im zweiten oder dritten Schuljahr ihr Kind
von einer anderen freien Schule umschulen wollen, damit das Kind nun
endlich beginnt zu lernen, Pflichten zu übernehmen, Leistungen zu
erbringen usw. Aber sie wollten nicht, dass es gleich von Anfang der
Schulzeit an mit dem „Ernst des Lebens“ konfrontiert wird. Solche
Versuche misslingen meist spätestens nach einer Woche Probebeschulung.
Wohl alle Kinder freuen sich auf die Schulzeit, auf ihre Arbeit, auf
ihre dortigen Anstrengungen, auf das Lernen, Entdecken usw. Diese
Erwartungen hat Schule zu bedienen. Deshalb ist die Einschulung
alters- und entwicklungsgerecht zu wählen. Dazu gehört mehr als ein
entsprechendes geistiges Entwicklungsniveau, es gehört ebenso ein
entwickeltes Niveau sozialer Fähigkeiten und auch eine entsprechende
körperliche Entwicklung dazu. Ein schulreifes Kind sollte eingeschult
werden. Auffällig ist, dass nach unseren Erfahrungen im
Minimaxprogramm immer mehr fünfjährige Kinder schulreif sind. Und nach
unseren Erfahrungen entwickeln sie sich gut, wenn die Entscheidung
sorgfältig gemeinsam von Eltern, Lehrern, Schularzt und Psychologen
getroffen wird. Das ist nötig, denn manche Eltern neigen dazu, ihre
Kinder zu puschen, andere wieder wollen das erreichte
Entwicklungsniveau nicht wahrhaben und bremsen. Beides liegt nicht im
Interesse des Kindes, aber darum geht es letztlich. Andererseits
erhöht sich rapide der Anteil der Kinder, der von einer
Schuleinführung zurückgestellt wird - wenn die uns übermittelten
Zahlen stimmen, von unter 5 % vor 1989 zu regional gesehen über 20 %
heute! Die Ursachen liegen in einer deutlichen Entwicklungsverzögerung
und damit natürlich nicht am genetischen Erbe, sondern an der
jeweiligen Umwelt mit ihren Entwicklungsangeboten und
Entwicklungsanregungen, also haben ihre Ursachen in Elternhäusern und
Kindertagesstätten - und eben an einer verdrehten Einstellung der
Eltern.
7. Wird das Kind nicht generell mit all dem überfordert, was die BIP-Schulen allen anbietet?
Nein! Es mag zeitweilig Ausnahmen geben. Wenn wir sie entdecken,
suchen wir nach den Ursachen. Nicht selten liegen sie im Elternhaus -
oder auch daran, dass wir nicht ausreichend verstanden haben, die
Eltern mit dem Konzept vertraut zu machen. Alle schulischen Aufgaben
werden in der Schule erledigt und zwar - bedingt durch unsere
Konzeption zweier Kreativitätspädagogen pro Klasse - in einer
weitgehend den Entwicklungsmöglichkeiten der Kinder angepassten Form.
In den ersten Monaten vergleichen manche Eltern einige
Entwicklungsfortschritte ihrer Kinder in Lesen oder Rechnen mit
Altersgleichen aus anderen Schulen und stellen dann vielleicht fest,
dass diese anderen manchmal schon „weiter“ sind, ein oder zwei
Buchstaben mehr beherrschen, etwas weiter im Zahlenraum sind. Aber sie
übersehen, dass ihre Kinder die ersten Wörter in englisch oder
arabisch sprechen können, mindestens ebenso viele arabische Buchstaben
wie deutsche beherrschen, einige französische Lieder gelernt haben,
die ersten Melodien dem Keyboard oder der Flöte entlocken, sich gerade
in eine Märchenfigur versetzen lernen oder in einen wütenden,
nachsichtigen, gütigen, rachsüchtigen, aufbrausenden Menschen, dass
sie lernen, sich tänzerisch zu bewegen, Bilder von Traumreisen
mitzubringen und zu malen, die Stellungen aller Figuren auf dem
Schachbrett bereits beherrschen oder gar schon die kleine und große
Rochade und natürlich den Computer schon als Hilfsmittel begreifen
lernen. Und alles das betreiben sie mit Spaß und der Lust, die sich
aus der Anstrengung ergibt, wenn ihre Lehrer sie zu Erfolgserlebnissen
geführt haben. Und dazu natürlich auch Lesen und Rechnen, keineswegs
vernachlässigt, aber eben nicht als so vordergründig dominant, wie wir
als Eltern Schule erlebt haben und geneigt sind, Schule und Leistungen
zu bewerten, auch wenn ganz unmerklich gerade hier Schwerpunkte
gesetzt werden - aber eben auch methodisch anders. Das vollzieht sich
vorwiegend über die Komplexität des Herangehens, dass eben
beispielsweise das „A“ nicht nur ein Buchstabe ist, sondern auch
Ausdruck eines Erlebnisses sein kann, ein Schrei, ein Gefühl
wiedergeben kann, eine wiederzufindende Note in ganz unterschiedlichen
Liedern und Tänzen, in der englischen, französischen, arabischen
Sprache etwas anderes bedeutet, anders gesprochen, geschrieben oder
phrasiert wird, sich auf dem Schachbrett ebenso wiederfindet wie auf
dem Keyboard des Computers, wobei das computerverschnörkelte @
wiederum etwas ganz anderes bedeutet. Ein kleines Stück
Kreativitätsentwicklung des Entdeckens in immer anderen Zusammenhängen
und das Erpoben des Einbindens in wiederum andere, zugleich auch
Flexibilitätsentwicklung als Voraussetzung einer Geisteshaltung.
Vielleicht zeigt dieses kleine Beispiel, dass die Methodik der
Kreativitätspädagogik eben anderes ist als Methodik des
Erstleseunterrichts - aber diesen natürlich nicht vernachlässigen darf
- und auch nicht jene Kinder, die schon lesen konnten, bevor sie die
Schule betraten. Für diese Kinder gibt es eben die zwei Pädagogen pro
Klasse, damit die Differenzierung der Kinder in Abhängigkeit vom
erreichten Leistungsniveau auch gelingt. Übrigens halten wir nichts
davon, Kinder vor der Schule zu bremsen, damit sie nicht schon lesen
oder rechnen können. So etwas stört höchstens ihre künftigen Lehrer -
Kreativitätspädagogen freuen sich auf solche ungebremst lernenden
Kinder.
8. Worauf sind die dokumentierten Erfolge der BIP Kreativitätsschulen zurückzuführen?
Vor allem auf die sehr gute Arbeit der Pädagogen an diesen Schulen,
auf ihren Ethos, auf ihre Anstrengungsbereitschaft, auf ihre
Leidenschaft, Lehrer sein zu wollen, diesen Beruf ebenso zu lieben wie
die ihnen anvertrauten Kinder. Das muss uneingeschränkt an der Spitze
stehen! Erst dann kommt die Bedeutung der von ihnen umgesetzten
Konzeption dieser Schulen, die sie sich in der Regel in einer
einjährigen Fortbildung in über 1860 Stunden angeeignet haben. Beides
ist als Einheit zu sehen und unverzichtbar. Es gibt seit unseren
ersten Gründungen zahlreiche Nachahmungen, die der Sache mehr schaden
als nutzen, vor allem, wenn sie meinen, eine intensive und
einheitliche Fortbildung der Lehrer sei nicht erforderlich, das
ständige Controlling der Ideengeber dieses Konzepts könne man sich
schenken usw. Doch der gute Wille allein reicht nicht aus. McDonald
hat auch zu einer größeren Verbreitung von Bulettenbuden beigetragen.
Fragen Sie Ihren Siebenjährigen, wo er essen möchte! Und überlegen Sie
sich einmal, weshalb!
9. Wo liegen die Unterschiede zu anderen Schulen in privater/ freier Trägerschaft?
Die meisten dieser Schulformen sind kurz vor Beginn des 20.
Jahrhunderts oder in den ersten Jahrzehnten des vergangenen
Jahrhunderts entstanden und waren eine Reaktion auf das kaiserliche
deutsche Schulsystem. Auch in anderen europäischen Staaten gab es
ähnliche Schulsysteme und deshalb ähnliche Überlegungen seiner
Reformation, wobei zahlreiche Ideen auf die Pädagogen seit der
Französischen Revolution zurückgehen (man denke an Rousseau, an
Pestalozzi, an Fröbel u.a.), die nie umgesetzt worden waren. Neue
Ideen kamen hinzu und waren wiederum Reaktion auf aktuelle
Anforderungen, man denke an Maria Montessoris Bemühungen um die
Entwicklung geistig zurückgebliebener Kinder oder an die Pädagogik des
Anthroposophen Steiner. Als Reaktion auf Drill und Totalitarismus in
der Schule kamen am Ende der ersten Hälfte des vergangenen
Jahrhunderts neue Konzepte hinzu, die sich am Ende des zweiten Drittel
dieses Jahrhunderts - wiederum in Zeiten offensichtlicher
gesellschaftlicher Reformunfähigkeit, so im Zusammenhang mit der 68er
Bewegung, weiter ausbreiteten, etwa die Pädagogik der Bielefelder
Laborschule in Deutschland, der „open schools“ in Großbritannien oder
die Welle antiautoritärer Konzepte von der bereits älteren
Summerhill-Pädagogik bis zur Glocksee-Schule und zu einer Fülle von
Regenbogenschulen. Fast alle Konzepte lassen sich als Reaktion auf
bisherige staatliche Schule und gesellschaftliche Konzepte einordnen,
mehr Naturverbundenheit in der Schullandheimbewegung, mehr praktisches
Tun in der Pädagogik Freinets, mehr Lebensverbundenheit in den
Nachbarschaftsschulen - und natürlich mehr christliche Erziehung als
durchgängiges Lebensprinzip in den katholischen und evangelischen
Schulen im Unterschied zur offiziellen Trennung von Kirche und Staat
in den staatlichen Schulen trotz Religionsunterricht als
Unterrichtsfach. Natürlich gibt es eine Fülle anderer Schulen, vor
allem von Gymnasien, die sich spezielle Aufgaben stellen und diese
erfüllen, die sich an den Zielen schulischer Bildung orientieren und/
oder den überforderten Eltern spezielle Funktionen abnehmen wollen -
nicht selten orientiert an schweizerischen, französischen oder
englischen Internatsschulen mit traditionell oft herausragenden
Bildungserfolgen und einer speziellen am Standes- und heute immer mehr
am Gemeinwohl ausgerichteten Erziehung. Während die Mehrheit der
freien Schulformen von ihrer Grundidee her also Reaktion auf die
bestehende staatliche Schule war oder ist - gerade deshalb entstanden
in den ersten Jahren nach der Wende im Osten zahlreiche solcher
Schulen, quasi spiegelbildlich zu den westlichen Bundesländern,
manchmal auch anknüpfend an deren in der DDR gezielt beseitigte
Traditionen, haben die BIP Kreativitätsschulen einen ganz anderen
theoretischen Ausgangspunkt. Das genannte Ziel dieser traditionellen
Schulformen ist keinesfalls negativ zu bewerten, im Gegenteil, denn
fast alle der schulischen Veränderungen in den letzten ca. 120 Jahren
an den staatlichen Schulen, gehen darauf zurück, dass freie/private
Schulen zuerst die Veränderungs- und Verbesserungsmöglichkeiten
demonstriert haben. Und wenn man ehrlich ist: auch Veränderungen, die
sich keineswegs bewährt haben aber heute zu einem Politikum geworden
sind, man sehe sich nur die internationalen Vergleichsuntersuchungen
an und suche nach der Position Deutschlands und vor allem nach der
Position der Kinder aus den unterschiedlichen Schulformen oder
vergleiche gar die Ausreden der Verantwortlichen für diese Situation.
Der davon unterschiedliche Ausgangspunkt der BIP Kreativitätsschulen
hängt damit zusammen, dass die Wissenschaft vom Menschen im letzten
Drittel des vergangenen Jahrhunderts enorme Fortschritte gemacht hat.
BIP Kreativitätsschulen verstehen sich nicht als Reaktion auf die
Bildung und Erziehung an staatlichen Schulen, wollen nicht aus ihrer
Sicht Missstände korrigieren, wollen kein demonstratives Korrektiv
sein. Sie bemühen sich in ihrer Orientierung an zwei Polen: zum einen
an den möglichen, voraussehbaren, erahnbaren Anforderungen an die
heutigen Schüler in ihrem gegenwärtigen und künftigen Leben und zum
anderen an den Erkenntnissen über die Entwicklungsmöglichkeiten des
Entwicklungswunders Mensch. Das betrifft die zu vermittelnden Inhalte,
die Methodik, die Leistungsorientierung ebenso wie die soziale
Entwicklung und die Wertevermittlung, betrifft also den ganzen Komplex,
der von uns als Kreativitätspädagogik bezeichnet wird. (Siehe dazu:
Gerlinde Mehlhorn/Hans-Georg Mehlhorn, Warum Kreativität schulen -
warum Kreativitätsschulen?).
10. Geht nicht viel an familiärer Erziehung verloren, wenn die Kinder solche Schulen ganztägig besuchen?
Nein! Wir unterliegen wohl auch hier einem empirisch nicht bestätigtem
Mythos: Dem Mythos nämlich, dass sich Eltern für ihre Kinder mehr Zeit
nehmen, wenn diese Kinder mittags aus der Schule. Formal mag das sogar
stimmen, wenn beide Eltern nicht berufstätig sind und andere dann
einspringen müssten oder die Kinder sich selbst überlassen bleiben.
Doch wie sieht die Realität aus? Häufig ist ein Elternteil anwesend,
wenn die Kinder die Hausaufgaben erledigen, aber können sie wirklich
helfen? Die Kinder werden mit zum Einkaufen genommen oder anstatt mit
ihnen etwas gemeinsam zu unternehmen, wird der Fernseher angeschaltet
(und dies immer mehr). Doch das Maß an echter Interaktion zwischen
Eltern und Kindern ist nicht davon abhängig, ob die Kinder an - wie in
den BIP Kreativitätsschulen - 108 Tagen von 365 des Jahres statt zum
oder nach dem Mittagsessen erst frühestens 16/17 Uhr aus der Schule
kommen (können). Letztlich reduziert sich das pro Jahr ihrer
Grundschulzeit auf diese 108 Tage - aber eben zugunsten der
Möglichkeit, sich an jedem Tag des Jahres mit den Kindern ohne den
Druck noch zu erledigender Hausaufgaben oder noch vorzubereitender
Klassenarbeiten usw. beschäftigen zu können. Die familiäre Atmosphäre
ist gelöster, die Interaktion ist häufiger, der Fernsehkonsum der
Kinder geringer, die häufig dominierende Langeweile der Kinder meist
ein Fremdwort. BIP-Schulen schaffen viel mehr Anregungen und
Motivationen zum Tun als eine Schule, in der die Hausaufgaben eben zu
Hause und nicht als - wie der Name sagt - Schularbeiten in der Schule
erledigt werden. Noch gefährlicher ist aber, dass nach den PISA-Ergebnissen
ein neuer Mythos entsteht: Ganztagsschulen oder „zuverlässige
Halbtagsschulen“, die die Kinder längere Zeit in der Schule halten,
ohne dass entsprechende Entwicklungskonzepte in diesen Zusatzzeiten
umgesetzt werden, seien a priori besser als die Kinder nach Hause zu
schicken. Kriterium ist immer das Niveau der Beschäftigung mit den
Kindern und damit die Qualität der Ausbildung der die Kinder
betreuenden Personen.
Die meisten Eltern der BIP Kreativitätsschulen erleben es positiv,
dass sie Zeit haben, sich den Kindern zuzuwenden, anstatt sich über
die Qualität der Hausaufgaben zu streiten. Seit mehr als einem Dutzend
Jahren wissen wir, dass diese Kinder höhere Anforderungen an die
Qualität des familiären Lebens und an die Qualität der gemeinsam
verbrachten Freizeit stellen, sie werden, wie einst ein Vater prägte,
zu „Wochenendbestimmern“ - meist zum Nutzen der gesamten Familie.
11. Weshalb ist das Interesse der Eltern an den Schulen so groß – was reizt sie an dieser Schulform?
Die herausragenden Gründe sind simpel: eine zuverlässige Schule ohne
Unterrichtsausfall, ganzjährig geöffnet, täglich von 7 bis 18 Uhr - und
auch noch jemand da, wenn man es einmal wirklich nicht schafft, das
Kind rechtzeitig abzuholen. Dazu das Erledigen aller schulischer
Aufgaben auf hohem Niveau in der Schule - man kann sich darauf
verlassen, dass die Lehrer die Leistungsentwicklung jedes Kindes recht
sicher einschätzen können - seine Möglichkeiten ebenso wie seine
Reserven oder seine Rückstände. Man kann sein Kind der Schule guten
Gewissens anvertrauen. Die Lehrer sind trotz ihres fast durchgehend
jungen Alters hoch kompetent und stehen als Ansprechpartner zur
Verfügung. Dazu kommt, dass fast alles, was interessierte Eltern mit
ihren Kindern sonst noch an den Nachmittagen zur Entwicklungsförderung
ihrer Kinder unternehmen, in der Schule angeboten wird, vom
Fremdsprachenunterricht über Tanz- und Schauspielpädagogik bis hin zum
Computer oder dem Erlernen eines Musikinstruments. Die Kinder bleiben
dabei in den gleichen sozialen Gruppen, müssen nicht ständig hin und
her transportiert werden usw. Die Pädagogen kennen deren Stärken und
Schwächen, können Empfehlungen geben, die eben nicht davon abhängig
sind, ob zu Hause ein Flügel steht, eine Geige herumliegt oder die
Mutti selbst vom Eiskunstlauf oder Ballett begeistert war oder ist. Das
Kind steht im Mittelpunkt - darauf kann man sich als Eltern verlassen!
12. Kann man auch später einsteigen, beispielsweise von einer anderen freien Schule wechseln?
Das ist schwer. Erfolgreich war es bisher eigentlich nur nach einem
günstig verlaufenen Probeunterricht bis zum Ende des zweiten
Schuljahres. In den folgenden zwei Jahren können die Kinder noch viel
aufholen. Ab 3. Schuljahr wird die Integration einzelner Kinder in die
Klassen zu schwierig. Anders sähe es mit ganzen Gruppen von Schülern
aus, die zeitgleich hinzukommen, aber da sprechen ökonomische Gründe
dagegen. Der dafür erforderliche Lehrereinsatz ist nicht finanzierbar.
Und: es geht nie ohne eine Probewoche - zur endgültigen Entscheidung
für alle Beteiligten. Ganz anders ist dies, wenn gezielt Schüler zu
Beginn des vierten Schuljahres aufgenommen werden, weil sie an das
BIP Kreativitätsgymnasium wechseln wollen (auch hier natürlich nur nach
erfolgreich ausgestellter Bildungsempfehlung). Eine solche Variante ist
in Leipzig geplant und wird auch anderswo aktuell (z.B. Chemnitz).
Allerdings ist dies davon abhängig, dass die Schule ausreichend Platz
für eine gesamte Schulklasse bieten kann.
13. Wie ist das mit einem Einstieg erst zum Gymnasium?
Ins Gymnasium werden Schüler anderer Schulen aufgenommen, für diese
gibt es ein spezielles Entwicklungsprogramm, das unter „BIP Kreativitätsgymnasium“
auf unserer Internetseite charakterisiert wird und vom Sächsischen
Kultusministerium bestätigt worden ist. Das Gymnasium garantiert auch
diesen Kindern ein anspruchsvolles Abitur, weitgehend dem vergleichbar,
das die Schüler der BIP Kreativitätsgrundschulen erwerben. Abstriche
wird es in den Fremdsprachen gegenüber jenen geben, die bereits ab
Klasse 1 drei Fremdsprachen lernen. Ziel des Gymnasiums ist es
grundsätzlich, von einem hohen Abiturniveau aus den Jugendlichen alle
weiterführenden Bildungswege zu ermöglichen und sie (sich) nicht
vorzeitig auf bestimmte Entwicklungen festlegen zu lassen.
14. Sie behaupteten kürzlich, BIP Kreativitätsschulen sind normalen staatlichen Schulen 30-50 Jahre voraus - worauf begründet sich eine solche Aussage?
Erst einmal darauf, dass wir der Meinung sind, dass sehr viele Inhalte
und Methoden wie auch Organisationsprinzipien eigentlich an jede Schule
gehören - weshalb wir jahrelang davon abgesehen haben, eigene freie/private
Schulen zu gründen. Doch: Die Umstellung des gegenwärtigen Schulsystems
auf die Prinzipien der BIPKreativitätsschulen erfordert Pädagogen, die
in der Lage sind, diese Konzeption voll umzusetzen. Das wiederum
erfordert eine Qualifizierung, wie sie diese Pädagogen erworben haben -
also eine Fortbildung mit einem Stundenumfang von ca. 6 Semestern
Hochschulausbildung. Selbst wenn es gelingen würde, diese Fortbildung
in absehbarer Zeit für alle Absolventen zu realisieren, dann würde es
ca. 30 Jahre dauern, bis alle Pädagogen sie besitzen. Eine solche
Veränderung würde aber wohl mindestens 10-20 Jahre dauern, bis sie sich
durchgesetzt hat, die Ausbilder an den Universitäten und Hochschulen
dafür vorhanden sind, die Pläne bestätigt worden sind. Bei der
Unbeweglichkeit der Universitäten gegenüber neuen Entwicklungen wäre es
illusorisch zu glauben, dass diese Entwicklung in einem kürzeren
Zeitraum möglich ist, auch wenn einzelne Aspekte durchaus die Chance
hätten, in kürzerer Zeit realisiert zu werden.
15. Was können wir tun, wenn es bei uns keine solche Schule gibt?
Nach Leipzig, Chemnitz oder dorthin ziehen, wo es solche Schulen gibt,
das kann doch nicht die Lösung sein? Seit der ersten Schulgründung sind
jährlich Eltern aus den alten Bundesländern wegen dieser Schule nach
Leipzig gezogen, denn was nützt es, wenn in ihrem Heimatort irgendwann
eine solche Schule gegründet wird, ihre Kinder kommen nur einmal in die
Schule, sie können nicht warten. Trotzdem reden wir niemand zu einer
solchen Lösung zu. Wichtiger wäre es, sich mit anderen Eltern gemeinsam
für die Gründung einer solchen Schule in ihrem Heimatort einzusetzen.
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